Erfolgreich lehren im Dualen Master

Impulse, Erfahrungen und Praxisbeispiele von Lehrenden

Die Lehre im Dualen Master ist besonders: Sie als Lehrperson treffen auf Studierende, die im Gegensatz zum Bachelor schon Vorwissen und Berufserfahrung mitbringen. In den Lehrveranstaltungen gestalten Sie den Lernprozess – aufbauend auf diesem Vorwissen – gemeinsam. Dadurch entsteht Lehre auf Augenhöhe: praxisnah, dialogorientiert und anwendungsstark.

Was macht für Sie gute Lehre im Dualen Master aus? Antworten und bewährte Praktiken aus Lehrendenbefragungen haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Diese Impulse aus Ihrer Lehrpraxis konkretisieren das Leitbild Lehre der DHBW für den Bereich des Dualen Masters:

Als Lehrperson sind Sie sowohl fachliche*r Inputgeber*in als auch Sparringspartner*in für die Studierenden. Sie greifen Impulse aus der betrieblichen Praxis der Studierenden auf und überführen diese in die Lehrveranstaltung. Dabei ist Ihr Anspruch, authentisch, wertschätzend und auf Augenhöhe mit den Studierenden zu sein.

„Für mich ist es das Wichtigste, die Studierenden als Praxisexpertinnen und -experten (...) sowie als Menschen auf Augenhöhe zu betrachten.“
(Zitat aus der Lehrendenbefragung im Studienjahr 2024/2025)

PRAXISBEISPIELE:

  • Authentizität durch Transparenz: In geeigneten Situationen thematisiere ich offen eigene Lernprozesse, Fehler oder Herausforderungen. Ich gebe Einblick in persönliche Praxiserfahrungen und benenne ggf. transparent Wissens- und Erfahrungslücken. Das stärkt die Vertrauensbasis, ohne die fachliche Expertise zu relativieren.
  • Reflexion und Klarheit über die eigene Rolle bzw. den persönlichen Lehrstil: Ich setze mich regelmäßig bewusst mit meinen Stärken, Vorlieben und Herausforderungen in der Lehre auseinander – durch Selbstreflexion nach Lehrveranstaltungen, kollegiales Feedback oder gezielte Weiterbildungen. Das gibt mir Orientierung, hilft mir authentisch zu lehren und zeigt mir Perspektiven für meine persönliche Professionalisierung auf.
  • Co-Learning-Momente für alle Beteiligten: Ich präsentiere nicht immer fertige Lösungen. Bei komplexen fachlichen Fragestellungen arbeite ich gemeinsam mit den Studierenden ergebnisoffen. Der Prozess des gemeinsamen Denkens ist für mich oft wertvoller als eine vorgefertigte Antwort. Mein Credo dabei: „Es geht nicht darum, dass ich als Dozierender immer Recht habe!"

In den Lehrveranstaltungen schaffen Sie eine vertrauensvolle Lehr- und Lernatmosphäre. In den meist kleinen Gruppen fördern Sie die Vernetzung der Studierenden untereinander und schaffen ein Umfeld, in dem alle Beteiligten ihre Potenziale entfalten können.

„Die Nähe zwischen Lehrenden und Studierenden durch kleine Gruppen ist einer der Erfolgsfaktoren des DHBW CAS.“
(Zitat aus der Lehrendenbefragung im Studienjahr 2024/2025)

PRAXISBEISPIELE:

  • Psychologische Sicherheit: Ich schenke dem Aspekt der psychologischen Sicherheit aktiv Aufmerksamkeit und sorge für förderliche Rahmenbedingungen, beispielsweise durch die Einbindung aller Studierenden in den Lernprozess sowie das explizite Ausdrücken von Wertschätzung. Ich versuche, alle Beiträge konstruktiv aufzugreifen, individuelle Stärken und Fähigkeiten anzuerkennen sowie Fehler als Lernchancen zu nutzen
  • Feedback geben und einholen: Zur Modulhalbzeit hole ich systematisch Rückmeldungen der Studierenden zu Inhalten und didaktischer Gestaltung ein. Das gibt mir wertvolle Orientierung für die zweite Hälfte. Umgekehrt gebe ich den Studierenden fachliches Feedback, bei Bedarf auch individuell und personenbezogen, sei es spontan während der Lehrveranstaltung oder strukturiert im Anschluss an Prüfungsleistungen.
  • Lernraum-Choreografie: Ich gestalte den Raum bewusst als didaktisches Element: ein großer Gruppentisch für Plenumsphasen, flexible Tischinseln für Kleingruppenarbeit, Sitzkreise für Diskussionen, Visualisierungen an den Wänden. Auch meine eigene Positionierung im Raum setze ich gezielt ein. Ich bleibe nicht immer vorne, sondern bewege mich dorthin, wo der Lernprozess gerade stattfindet.
  • 360°-Fragekultur fördern: Ich aktiviere gezielt die Praxisexpertise der Studierenden durch Fragen und ermutige sie, ihrerseits Fragen zu stellen, an mich und an die Mitstudierenden. Reflexions- und Transferfragen setze ich nicht nur in der Präsenzveranstaltung ein, sondern auch in den Phasen zwischen den Blöcken und im Selbststudium.
  • Smarte Lernmaterialien als Ausdruck von Wertschätzung: Gut aufbereitete Materialien sind für mich kein Selbstzweck. Sie sind ein sichtbares Zeichen des Respekts gegenüber den Studierenden. Ich achte auf klare Struktur, aktuelle Praxisbeispiele, saubere Quellenangaben und eine ansprechende Gestaltung, die den Wert des gemeinsamen Lernprozesses widerspiegelt.
  • Beziehungsreich lernen und Vernetzung fördern: Ich investiere von Beginn an in den Beziehungsaufbau durch Vorstellungsrunden, wechselnde Kleingruppen- und Partnerkonstellationen und informelle Gespräche in den Pausen oder vor und nach den Veranstaltungen. Auch für die Selbststudiumsphasen biete ich Kontaktmöglichkeiten an, damit die Verbindung nicht abbricht, wenn wir uns nicht im Raum begegnen.

Unsere Studierenden bringen verschiedene berufliche und akademische Hintergründe mit. Als Lehrperson nutzen Sie die vielfältigen Perspektiven und Expertisen, um miteinander und voneinander zu lernen.

PRAXISBEISPIELE:

  • Teilnehmendencheck: Ich führe im Vorfeld einen Teilnehmendencheck durch. Die Studierenden lerne ich schon vor der Lehrveranstaltung kennen, indem ich z. B. deren berufliche Profile, Vorwissen und -erfahrungen abfrage. Dazu erstelle ich eine Umfrage in Moodle im Kursraum der Lehrveranstaltung.
  • Vorstellungsrunden zu Beginn: Ich starte Lehrveranstaltungen mit gezielten Check-In-Runden, in denen Berufs- und Branchenerfahrung, Vorkenntnisse, Lernziele und Erwartungen der Studierenden für alle sichtbar werden. Die heterogenen Hintergründe sind eine Ressource, die ich von Anfang an nutzbar machen möchte. Bei passenden Gelegenheiten setze ich auch kreative Methoden ein, etwa das „positive Spekulieren", um den Einstieg lebendig und verbindend zu gestalten.
  • Peer-Reflexion von Unternehmenspraktiken: Ich lasse Studierende aus verschiedenen Unternehmen und Branchen gegenseitig ihre Unternehmenspraktiken analysieren. Was im eigenen Betrieb längst selbstverständlich ist, wird im Spiegel anderer plötzlich sichtbar und hinterfragbar. Diese gegenseitige Perspektivöffnung deckt blinde Flecken auf, die keine Lehrperson von außen so wirkungsvoll freilegen könnte.
  • Wissens- und Erfahrungs-Mapping: Zu Beginn erstelle ich gemeinsam mit den Studierenden eine visuelle „Landkarte" der vorhandenen Expertise – Wissenslücken werden sichtbar, aber ebenso die beeindruckende Vielfalt an Erfahrungen im Raum. Alternativ visualisiere ich die verschiedenen Unternehmen, Branchen und Funktionen der Gruppe, zum Beispiel als Grundlage für gezielte und bewusst heterogen zusammengesetzte Gruppenbildungen.

Die Lehre im Dualen Master ist ein gemeinsamer Prozess, in dem Sie zusammen mit den Studierenden Wissen schaffen. Sie behandeln aktuelle Themen, stellen interdisziplinäre Bezüge her und fördern die kritische Reflexion. Dadurch bauen die Studierenden die Fähigkeit aus, komplexe Sachverhalte einzuordnen und anzuwenden.

„Das Wichtigste für mich ist, in einer Lehrveranstaltung mein Wissen mit dem Wissen der Studierenden zusammenzubringen.“
(Zitat aus der Lehrendenbefragung im Studienjahr 2024/2025)

PRAXISBEISPIELE:

  • „Start with the why“: Ich stelle den Mehrwert (Purpose) und die Lernziele des Moduls transparent dar und beziehe mich immer wieder darauf. Jede Einheit beginne ich mit einer kurzen Einordnung: Was ist der Sinn und Zweck? Warum ist das Thema relevant für die berufliche Praxis? Und wie fügt es sich in das Gesamtbild des Studiengangs ein?
  • Einstieg ins Thema bewusst vorbereiten: Ich investiere bewusst in den Themeneinstieg mit einer herausfordernden Fragestellung, einem typischen Praxisproblem, aktuellen Forschungsergebnissen oder einem provokanten Zitat. Mir geht es darum, von der ersten Minute an Relevanz spürbar zu machen und echte Neugier zu wecken, nicht nur den Stoff abzuarbeiten.
  • Roter Faden-Navigation: Ich arbeite mit einer visuellen „Landkarte" des Moduls, auf der wir zu Beginn und immer wieder im Verlauf der Veranstaltung gemeinsam verorten, wo wir stehen und wohin wir noch gehen. Ich bette die Inhalte zudem bewusst in den Gesamtkontext des Studiengangs und in interdisziplinäre Zusammenhänge ein – damit die Studierenden nicht nur Einzelthemen lernen, sondern das große Bild entwickeln.
  • Studierenden-Agenda-Slots: Ich plane bewusst Zeitfenster für Wunschthemen und Fragen der Studierenden ein, denn deren Agenda ist oft genauso relevant wie meine vorbereitete. Bei Zeitknappheit bestimme ich gemeinsam mit den Studierenden, welche Themen wir gegebenenfalls streichen: Das schafft Transparenz und gibt ihnen echte Mitgestaltung über den Lernprozess.

In der Lehre im Dualen Master gehen Theorie und Praxis Hand in Hand. Als Lehrperson setzen Sie viele Beispiele aus der Praxis ein, greifen die beruflichen Erfahrungen sowie die Herausforderungen der Studierenden auf und verknüpfen diese mit theoretischen Konzepten und Modellen. In Ihren Lehrveranstaltungen fördern Sie den aktiven Transfer des Gelernten in die berufliche Praxis.

„Das unterscheidet uns von anderen Hochschulen: Die Praxis wird uns durch die Studierenden auf dem Silbertablett serviert.“
(Zitat aus der Lehrendenbefragung im Studienjahr 2024/2025)

PRAXISBEISPIELE:

  • Lehrformate wie Case Studies, Planspiele, Simulationen, Labore oder Exkursionen: Ich setze bewusst auf Formate, die über den klassischen Seminarraum hinausgehen. Entscheidend ist für mich dabei nicht nur das Format selbst, sondern die aktive Einbindung der Studierenden in Vor- und Nachbereitung – sie sollen nicht nur erleben, sondern mitgestalten und reflektieren.
  • Praxis-Input-Sessions: Ich schaffe regelmäßig strukturierte Phasen, in denen Studierende als „Praxisexpert*innen" kurze Einblicke in ihre eigenen beruflichen Erfahrungen geben – direkt verknüpft mit dem behandelten Thema. Dieses „Erfahrungslernen aus zweiter Hand" bereichert den Lernprozess auf eine Weise, die ich als Lehrperson allein nicht leisten kann.
  • Praxis-Theorie-Brücken: Ich fordere die Studierenden auf, konkrete Fälle aus ihrem Arbeitsalltag mitzubringen. Gemeinsam diskutieren wir, wie theoretische Konzepte diese Situationen erklären oder welche neuen Lösungsansätze sich dadurch eröffnen.
  • Kollegiale Fallberatung / Peer Consulting Runden: Ich moderiere strukturierte Beratungsrunden, in denen Studierende sich gegenseitig zu aktuellen Fragestellungen aus ihrer Berufspraxis beraten. Dabei wechsle ich bewusst die Rolle: Mal bin ich Moderator, mal bringe ich mich selbst als kollegialer Berater ein.
  • Rollen-Simulation aus der Praxis: Ich lasse Studierende in Übungen und Rollenspielen in verschiedene berufliche Rollen schlüpfen als Führungskraft, Projektleiter*in oder Berater*in und Problemstellungen aus genau dieser Perspektive heraus analysieren. Die Leitfrage „Wie würden Sie jetzt entscheiden?" bringt dabei oft überraschend viel Tiefe in die Diskussion.

Die Blockveranstaltungen am DHBW CAS finden meist in Präsenz statt – eine ideale Gelegenheit für lebendiges Lernen! Sie setzen auf Interaktion und schaffen Räume für Austausch zwischen den Studierenden. Sie wechseln gezielt zwischen Input, Diskussion und Praxisübungen und sorgen so für Dynamik, Abwechslung und eine nachhaltige Auseinandersetzung mit den Lerninhalten.

PRAXISBEISPIELE:

  • Lernspaziergänge als didaktische Alternative: Ich vermittle die theoretischen Inhalte etappenweise in kurzen Sequenzen outdoor. Die Gehphasen dazwischen dienen der individuellen Reflexion oder dem Austausch in der Gruppe.
  • „One Minute Wonders" als Reflexionsimpuls: Ich nutze regelmäßig kurze Ein-Minuten-Reflexionen, in denen Studierende ihre zentralen Erkenntnisse einer Lerneinheit schriftlich oder mündlich verdichten. Was auf den ersten Blick simpel wirkt, zeigt mir schnell, was wirklich angekommen ist und wo noch Lücken oder Transferpotenzial bestehen.
  • Dialog- und Reflexionsmethode „4-3-2": Ich setze die „4-3-2"-Methode ein: Zwei Studierende tauschen sich vier Minuten lang über ihre drei zentralen Learnings aus. Anschließend sammle ich die Ergebnisse im Plenum und ergänze sie bei Bedarf direkt auf der Präsentation. Das macht Lernprozesse sichtbar und schafft ein gemeinsames Bild des Erarbeiteten.
  • Thematische Landkarte als Orientierungsrahmen: Ich stelle den Studierenden bereits vor der ersten Sitzung über Moodle eine strukturierte, visualisierte Übersicht zu Inhalten, Zielen und Ablauf des Moduls bereit. Diese „Landkarte" ist kein einmaliges Dokument. Ich nehme im Verlauf des Moduls regelmäßig Bezug darauf, damit die Studierenden ihren Lernfortschritt verorten und die thematischen Zusammenhänge erkennen können.
  • Einsatz interaktiver und digitaler Tools: Ich setze digitale Tools gezielt und situationsabhängig ein – zur Erhebung von Vorwissen, zur Auflockerung zwischendurch oder als abschließendes Quiz. Für die Erarbeitung von Lerninhalten nutze ich Apps zur gemeinsamen oder individuellen Erstellung digitaler Karteikarten. KI-Tools und Chatbots integriere ich vor allem in individuelle Reflexionsphasen oder Gruppenarbeiten, nicht als Spielerei, sondern als echtes Lernwerkzeug.

    (Link zum KI Chatbot der DHBW Ask Alma: https://moodle.dhbw.de/course/view.php?id=11807)

Nicht alle Inhalte können in den Lehrveranstaltungen behandelt werden. Das Selbststudium ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Dualen Masters. Die Studierenden vertiefen hierbei das Gelernte eigenständig und wenden es in ihrem Berufsalltag an. Als Lehrperson begleiten und unterstützen Sie die Studierenden dabei.

„Die heimische Lektüre der Studierenden ist für mich ein elementarer Bestandteil der Veranstaltung. Ich werbe von Anfang an dafür, dass sich die Studierenden mit den Texten auseinandersetzen.“
(Zitat aus der Lehrendenbefragung im Studienjahr 2024/2025)

PRAXISBEISPIELE:

  • Transfer-Challenges initiieren: Ich gebe Anregungen für kleinere, experimentelle Aufgaben, um theoretische Ansätze im Unternehmen zu erproben oder bekannt zu machen und die Erfahrungen zurück in den Kurs zu bringen.
  • Praxis-Reflexions-Journal: Ich bitte die Studierenden, zwischen den Blöcken ein Reflexionsjournal zu führen. Sie dokumentieren, wie sie neue Erkenntnisse oder Methoden in ihrem Arbeitsalltag erproben und was sie dabei erleben. Das verbindet Lernen und Arbeiten auf eine Weise, die weit über die Präsenzzeit hinausreicht.
  • Ansprechende Skripte und ausgewählte Ressourcen: Ich stelle nicht einfach Materialien bereit, ich kuratiere sie bewusst. Neben gut strukturierten, aktuellen Skripten empfehle ich gezielt ergänzende Ressourcen wie HBM-Artikel, TED-Talks oder aktuelle Forschungsberichte, je nachdem ob jemand die Basis festigen oder tiefer einsteigen möchte. Für die Prüfungsvorbereitung stelle ich frühere Klausuraufgaben oder Übungsklausuren zur Verfügung. Das schafft Orientierung und Sicherheit.
  • Digitale Austauschformate initiieren: Den Kontakt zwischen den Blöcken überlasse ich nicht dem Zufall. Ich initiiere aktiv digitale Austauschformate, ob Kick-off-Veranstaltungen online, Chatgruppen, Lerntandems oder Online-Sprechstunden im Nachgang der Lehrveranstaltung. Lernen passiert nicht nur im Seminarraum, und ich möchte auch in den Zwischenphasen ansprechbar und verbindend sein.

"Lehre kann mehr": Dozierende der DHBW berichten, was ihnen in ihrer Lehre besonders wichtig ist

In der Videoreihe "Lehre kann mehr" berichten Dozierende der DHBW über ihr Verständnis von guter Lehre und geben Einblicke in ihre Lehrpraxis: Zur Playlist "Lehre kann mehr" auf Youtube.